Schwindel mit Prozentwerten

Vom seltsamen Umgang des Bundesamts für Energie und der Zürcher Baudirektion mit der Wahrheit

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«EnergieSchweiz ist das Programm des Bundesrates zur Unterstützung der freiwilligen Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Förderung der erneuerbaren Energien.» So steht es auf seiner Homepage.

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EnergieSchweiz ist Teil des Bundesamts für Energie (BFE). So weit, so gut. Nur: EnergieSchweiz – und damit das BFE – verbreitet seit mehreren Jahren eine Grafik, die den Eindruck erweckt, die Windkraft liefere im Winter mehr Strom als die Solarenergie. Dieser Eindruck entsteht, weil die Grafik auf Prozentwerten beruht.

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An sich ist diese Grafik nicht falsch, aber sie müsste redlicherweise ergänzt werden durch eine analoge Darstellung der absoluten Zahlen, d.h. der durch Windkraft und Solarenergie erzeugten Kilowattstunden. Warum fehlt diese Ergänzung?

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Sie fehlt deshalb, weil sich dann zeigen würde: Die auf Prozentwerten basierende Grafik führt in die Irre.

In Wirklichkeit ist es die Solarenergie, die im Winter mehr Strom liefert als die Windkraft. Unsere Waadtländer Kollegen haben dies in ihrem Bulletin (Nr. 28) schon 2022 dargelegt: Auch die Baudirektion des Kantons Zürich verwendet eine analoge irreführende Grafik. Das erstaunt umso mehr, als ebendiese Baudirektion im September 2023 eine in ihrem Auftrag erstellte Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) publik machte, die feststellte: « Das gesamte Winterstrompotenzial aus PV im Kanton Zürich beträgt 2866 GWh/a …».

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Da reibt man sich die Augen und fragt sich, warum die Zürcher Baudirektion in ihrer Planung für 2050 von diesem Photovoltaik-Winterstrompotenzial nur 870 GWh nutzen, daneben aber mit Windturbinen 460 GWh erzeugen will – und wie sich das mit ihrer Zielsetzung «Schonung der Umwelt» verträgt? Wie auch immer: Es muss zu denken geben, dass eidgenössische und kantonale Instanzen irreführende Grafiken verwenden, um die in unserem windschwachen Land ineffiziente Windkraftnutzung zu propagieren.